Dort angekommen, begleiten sie mich noch ein kleines Stück, dann rolle
ich wieder allein auf der D877. Die Landschaft verändert sich langsam
von bewaldeten Hügeln zu einer leicht welligen, landwirtschaftlich
genutzten Fläche mit nur wenigen Bäumen. Wie ein Kourier flitze
ich mit "Sack und Pack" über die kleinen Dörfer: Eteignères,
Auvillers-les-Forges, Bossus-lès-Rumigny, Rumigny, Brunehamel, Rozoy,
Montcornet, Clermont-les-Fermes, Liesse-Notre-Dame und Athies-sous-Laon.
In Bossus-lès-Rumigny mache ich mal wieder ein Foto für meine
"Kirchensammlung": St. Jean Baptiste, église gothique. Eigentlich
wäre ich direkt von Auvillers-les-Forges nach Rumigny gefahren, aber
eine Umleitung hat mich nach Bossus-lès-Rumigny in die Nähe
von Aubenton geführt. In Montcornet lege ich einen kurzen Halt ein,
um eine Telefonkarte zu erwerben und um mal wieder "aufzutanken": Fanta
pur, unverbleit, süß, 1,5 l, 1 Euro pro Liter. Der Preis ist
also in etwa mit den deutschen Benzinpreisen von 2000 vergleichbar. In
Frankreich dagegen ist Superbenzin noch etwas teurer als Fanta. Natürlich
wird mein Fahrrad auch hier von den Ortsansässigen bestaunt und mir
werden wieder die üblichen Erklärungen abgerungen. Nach einem
herzlichen "Au revoir" wünscht man mir noch "Bonne chance" (Viel Glück)
auf dem weiteren Weg nach Paris, dann rolle ich schon in Richtung Laon.
Nachmittags gegen 16 Uhr sichte ich schließlich das heutige Etappenziel
in der Ferne: Die Türme der Kathedrale von Laon ragen wie die Finger
einer riesigen erhobenen Hand weithin sichtbar aus der auf einer Anhöhe
befindlichen Altstadt empor. Da es hier relativ eben ist, wirkt die Anhöhe
schon wie ein kleiner Berg. Als ich näher komme, ist es wohl doch
eher ein Berg als eine kleine Anhöhe. Der Eindruck festigt sich, als
ich dem Schild "office du tourisme" folge, das mich in etlichen Serpentinen
zum Gipfel führt. Kurz vor dem Gipfel wird wieder eine Foto-Session
eingelegt und das historische Stadttor abgelichtet. Anschließend
kommt noch die Kathedrale dran.
Laon, Stadttor
Laon, Kathedrale
Im Tourismus-Büro angekommen, frage ich nach einem "hôtel
simple" (einfaches Hotel für den kleinen Geldbeutel). Hier ist man
auf internationale Touristen eingestellt und spricht sogar englisch, was
in Frankreich eher selten ist. Schnell ist eine Unterkunft für mich
gefunden: "Hotel Welcome" in der "Ville basse", die, wie der Name vermuten
lässt, am Fuße des Bergs angesiedelt ist. Also heißt es
nun nach der Schweiß treibenden Auffahrt wieder herunter zu rollen.
Den Weg zum Hotel weist mir ein freundlicher Mitarbeiter des Büros,
indem er mit seinem Motorroller voraus fährt. Mit dem voll gepackten
Lieger kann ich dabei ganz gut bergab mithalten. Das Hotel erweist sich
als gute Wahl, denn ich habe ein ruhiges Zimmer mit eigener Dusche und
darf mein Rad abends in den Flur stellen. Am Abend mache ich wie immer
meinen Entdeckungsgang, der mich wieder auf den Berg führt, denn dort
liegen die Sehenswürdigkeiten und die meisten Restaurants. Eine Seilbahn
pendelt zwischen der "Ville basse" und der Altstadt auf dem Berg. Da ich
jedoch noch einigermaßen fit bin, und keine Lust habe, die untere
Bahnstation zu suchen, erklimme ich den Berg zu Fuß. Nachdem ich
von der Kathedrale ein weiteres Foto gemacht habe, schlendere durch die
Altstadt. Einem hilfsbedürftigen Mann mit vernarbtem Gesicht gebe
ich ein paar Francs und habe so meine gute Tat des Tages vollbracht. Auf
dem weiteren Streifzug erreiche ich das westliche Ende der Altstadt und
entdecke dort den ersten Wegweiser, der Paris ankündigt. Diesen Weg
werde ich allerdings nicht nehmen, da ich ja sonst wieder den Berg erklimmen
müsste. Stattdessen beschließe ich, die Altstadt zu umfahren,
um dann auf der "route rationale 2", kurz N2, nach Paris zu heizen. Nach
einer reichhaltigen Pizza und einer geruhsamen Nacht schlage ich mir mein
"petit déjeuner" rein und "sattle die Pferde" für die letzte
Herausforderung.
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