Etappe 3 : Revin - Laon

Am Donnerstag, 20.07. breche ich um ca. 9 Uhr auf und finde dank des Kartenstudiums auf Anhieb die Brücke, die mich zur Straße nach Rocroi führt. Und schon geht es aufwärts, erst sanft, da die Straße den Bergen ausweicht, dann schon heftiger mit ca. 7 % Steigung zum ersten kleinen Gipfel. Auf der Anhöhe kann man von einem eigens dazu errichteten Aussichtspunkt das Wasserkraftwerk "Saint Nicolas" anschauen und sich die technischen Details anhand von Informationstafeln verinnerlichen. Auf dem weiteren Weg nach Rocroi weiß ich die hohe Untersetzung meines Rohloff-Antriebs zu schätzen: Ich fahre gezwungenermaßen eine längere Strecke im ersten Gang (ca. 1,5 m Entfaltung) und krieche so den Berg hoch. In Rocroi angekommmen, werde ich mal wieder von der lokalen "Dorfjugend" bestaunt und befragt. Auch ich habe Fragen, nämlich die nach einem Getränkehändler (die Ardennen haben ihren Tribut gefordert) und nach der Straße, die mich nach Eteignères bringt. Nachdem ich mit Hilfe von zwei ortskundigen Jungen eine "boulangerie" (eigentlich Bäckerei, aber hier ein Tante-Emma-Laden) gefunden habe, in der es Getränke günstig zu kaufen gibt, führen mich die beiden auf Ihren MTB zur Straße nach Eteignères. MTB sind in der Gegend durchaus angebracht, weil die Ardennen mit dem Schwarzwald vergleichbar sind, was die Steigungen betrifft.
 

Dort angekommen, begleiten sie mich noch ein kleines Stück, dann rolle ich wieder allein auf der D877. Die Landschaft verändert sich langsam von bewaldeten Hügeln zu einer leicht welligen, landwirtschaftlich genutzten Fläche mit nur wenigen Bäumen. Wie ein Kourier flitze ich mit "Sack und Pack" über die kleinen Dörfer: Eteignères, Auvillers-les-Forges, Bossus-lès-Rumigny, Rumigny, Brunehamel, Rozoy, Montcornet, Clermont-les-Fermes, Liesse-Notre-Dame und Athies-sous-Laon.
 

In Bossus-lès-Rumigny mache ich mal wieder ein Foto für meine "Kirchensammlung": St. Jean Baptiste, église gothique. Eigentlich wäre ich direkt von Auvillers-les-Forges nach Rumigny gefahren, aber eine Umleitung hat mich nach Bossus-lès-Rumigny in die Nähe von Aubenton geführt. In Montcornet lege ich einen kurzen Halt ein, um eine Telefonkarte zu erwerben und um mal wieder "aufzutanken": Fanta pur, unverbleit, süß, 1,5 l, 1 Euro pro Liter. Der Preis ist also in etwa mit den deutschen Benzinpreisen von 2000 vergleichbar. In Frankreich dagegen ist Superbenzin noch etwas teurer als Fanta. Natürlich wird mein Fahrrad auch hier von den Ortsansässigen bestaunt und mir werden wieder die üblichen Erklärungen abgerungen. Nach einem herzlichen "Au revoir" wünscht man mir noch "Bonne chance" (Viel Glück) auf dem weiteren Weg nach Paris, dann rolle ich schon in Richtung Laon. Nachmittags gegen 16 Uhr sichte ich schließlich das heutige Etappenziel in der Ferne: Die Türme der Kathedrale von Laon ragen wie die Finger einer riesigen erhobenen Hand weithin sichtbar aus der auf einer Anhöhe befindlichen Altstadt empor. Da es hier relativ eben ist, wirkt die Anhöhe schon wie ein kleiner Berg. Als ich näher komme, ist es wohl doch eher ein Berg als eine kleine Anhöhe. Der Eindruck festigt sich, als ich dem Schild "office du tourisme" folge, das mich in etlichen Serpentinen zum Gipfel führt. Kurz vor dem Gipfel wird wieder eine Foto-Session eingelegt und das historische Stadttor abgelichtet. Anschließend kommt noch die Kathedrale dran.
 

Laon, Stadttor   Laon, Kathedrale 

Im Tourismus-Büro angekommen, frage ich nach einem "hôtel simple" (einfaches Hotel für den kleinen Geldbeutel). Hier ist man auf internationale Touristen eingestellt und spricht sogar englisch, was in Frankreich eher selten ist. Schnell ist eine Unterkunft für mich gefunden: "Hotel Welcome" in der "Ville basse", die, wie der Name vermuten lässt, am Fuße des Bergs angesiedelt ist. Also heißt es nun nach der Schweiß treibenden Auffahrt wieder herunter zu rollen. Den Weg zum Hotel weist mir ein freundlicher Mitarbeiter des Büros, indem er mit seinem Motorroller voraus fährt. Mit dem voll gepackten Lieger kann ich dabei ganz gut bergab mithalten. Das Hotel erweist sich als gute Wahl, denn ich habe ein ruhiges Zimmer mit eigener Dusche und darf mein Rad abends in den Flur stellen. Am Abend mache ich wie immer meinen Entdeckungsgang, der mich wieder auf den Berg führt, denn dort liegen die Sehenswürdigkeiten und die meisten Restaurants. Eine Seilbahn pendelt zwischen der "Ville basse" und der Altstadt auf dem Berg. Da ich jedoch noch einigermaßen fit bin, und keine Lust habe, die untere Bahnstation zu suchen, erklimme ich den Berg zu Fuß. Nachdem ich von der Kathedrale ein weiteres Foto gemacht habe, schlendere durch die Altstadt. Einem hilfsbedürftigen Mann mit vernarbtem Gesicht gebe ich ein paar Francs und habe so meine gute Tat des Tages vollbracht. Auf dem weiteren Streifzug erreiche ich das westliche Ende der Altstadt und entdecke dort den ersten Wegweiser, der Paris ankündigt. Diesen Weg werde ich allerdings nicht nehmen, da ich ja sonst wieder den Berg erklimmen müsste. Stattdessen beschließe ich, die Altstadt zu umfahren, um dann auf der "route rationale 2", kurz N2, nach Paris zu heizen. Nach einer reichhaltigen Pizza und einer geruhsamen Nacht schlage ich mir mein "petit déjeuner" rein und "sattle die Pferde" für die letzte Herausforderung.
 

Seitenanfang         Vorherige Etappe         Nächste Etappe


© 11.02.2001  Carsten Kompa  carsten.kompa@witten.org