Aufenthalt in Paris

Nach dem "Einchecken" bei Andreas und einem kleinen Happen im nächstgelegenen Restaurant schlafe ich wie ein Toter. Am nächsten Morgen nimmt sich mein Gastgeber Zeit, mir die wichtigsten Highlights von Paris zu zeigen. Allerdings sterbe ich zuvor, auf der Suche nach dem "ultimativen Frühstückscafé", fast vor Hunger ;-) . Wir fahren mit der Metro kreuz und quer durch Paris, kommen am Eiffelturm vorbei und erreichen schließlich Montmartre. Dort wimmelt es von Touristen und wir werden ständig gefragt, ob wir gezeichnet werden möchten oder "irgendwelchen Kram" kaufen möchten. Ich bereue es, meinen Fotoapparat nicht mitgenommen zu haben, das Wetter ist optimal und die Aussicht auf die Stadt von Sacré Coeur und vor allem vom neuen Triumpfbogen in La Défense ist fantastisch. Am gleichen Tag lerne ich leider auch die Schattenseite der pulsierenden Großstadt kennen: Wir werden in einem Straßencafé von einem Deutschen dumm angequatscht. Der offensichtlich verwirrte Mann gibt sich alle Mühe, auch mit uns Streit anzufangen, was ihm jedoch nicht gelingt. Nachdem er mehrfach vom Kellner dazu ermahnt wurde, die Gäste in Ruhe zu lassen, schleicht er sich schließlich unter Drohungen uns gegenüber von dannen.

Am nächsten Morgen, Sonntag, 23.07.2000 ist es dann soweit: Morgens um 8:30 Uhr startet die Jedermann-Fahrradtour (randonnée cycliste) auf der abgesperrten Tour-de-France-Strecke (ca. 30 km), auf der am frühen Nachmittag die "Giganten der Landstraße" die letzte Tour-Etappe fahren werden. Andreas holt zu diesem Anlass sein gelbes Liegerad Radius 16V aus den "Katakomben" hervor. Gemeint ist der uralte Keller, bei dessen Anblick einem eine Gänsehaut über den Rücken läuft. Um ca. 8 Uhr starten wir zur "Stadtrundfahrt per Liegerad" in der Rue Nansouty und heizen zum Startpunkt. Ohne Gepäck fährt man selbst mit dem nicht gerade leichten Quantum Toxy recht sportlich daher. Sonntag morgens um diese frühe Stunde ist in Paris noch nicht viel Autoverkehr unterwegs und so können wir die Anfahrt zum Startpunkt der Jedermann-Tour ungestört genießen.

Was uns dann erwartet, stellt alles in den Schatten, sogar das Zuschauen der letzten Tour-de-France-Etappe. Eine Riesenschar von mit gelben, grünen, rot gepunkteten und weißen Trikots bekleideten Jedermann-Touris hat sich am Startpunkt versammelt und setzt sich nach einer Weile langsam (so langsam, dass man das Rad kaum ausbalancieren kann) in Bewegung. Unter den Fahrrädern sind alle möglichen Typen vertreten, jedoch überwiegend Rennräder. Andreas und ich sind die einzigen Fahrer, die sich liegend vorwärts bewegen, zumindest können wir keine weiteren Liegeradler entdecken. Es ist ein tolles Gefühl, eine Stadtrundfahrt per Fahrrad durch Paris zu machen, dabei nicht durch den motorisierten Verkehr belästigt, und obendrein noch von den Zuschauern angefeuert zu werden. Ein Höhepunkt ist dann das Passieren der Champs-Elysées mit ihrem holprigen Kopfsteinpflaster. Unglaublich, dass die Tour-de-France-Fahrer hier mit einem Tempo von 60 km/h und mehr hinüberfegen (und das ohne Federung). Ein weiterer Höhepunkt sind die Teilnehmer selber, die auf witzige Ideen kommen. Ich denke da an den älteren, zügig strampelnden Herrn mit seinem Hund, beide im Bergtrikot ;-) . Fazit: Sollte diese Jedermann-Tour wiederholt werden, kann ich sie nur wärmstens weiterempfehlen. Das muss man einfach miterlebt haben.

Am Nachmittag schauen wir uns die Tour de France an, besser gesagt, wir versuchen es, haben aber einige Probleme einen guten Zuschauerplatz zu bekommen. In den hinteren Reihen ist es dann auch schwierig, einigermaßen gute Fotos der Tour-Fahrer zu schiessen. Wir können nicht durch den Sucher schauen und knipsen daher auf gut Glück in Richtung des Fahrerfelds. Leider fahren die Fahrer so schnell vorbei, dass man noch nicht einmal die Gesichter erkennen kann. Am besten ist eben doch die Verfolgung der Tour im Fernsehen mit der ständigen Bildübertragung aus Motorad- und Hubschrauberkameras.

Am späten Abend wollen wir uns dann noch das nächtliche Paris vom Dach des Tour Montparnasse aus anschauen. Dieses Highlight fällt dann leider wegen Gewitter und Regen aus.

Am nächsten Tag ist bei Andreas wieder der Job und bei mir ein Touristik-Tag angesagt. Ich fahre mit der Metro zur Île Cité, um Notre Dame zu besichtigen und noch ein paar Fotos zu machen. Am Abend bereite ich meine Abreise vor und Andreas und ich essen noch einmal zusammen in einem urigen Restaurant, das bretonische Spezialitäten (u.a. Crêpes in allen möglichen Varianten) anbietet. Danach geht es mit einem irren Tempo zum Bahnhof Gare du Nord, um den Nachtzug nach Amsterdam noch zu erwischen (was bedeuteten da schon rote Ampeln). Von dort aus möchte ich über Enschede und Gronau die Heimat ansteuern, da mein Urlaub leider zu Ende geht.

Hier nun also unsere Fotos der Jedermann-Tour, der "richtigen" Tour und sonstiger Sehenswürdigkeiten:


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© 11.02.2001  Carsten Kompa  carsten.kompa@witten.org