Auch in Dinant thront ein Fort über der Stadt
Wassertouristen aus den Niederlanden
Die Flussberge bei Dinant sind zum Teil kahle Felsen, an denen sich
Kletterer austoben. Die Landschaft ist hier nicht mehr wie bei Liège
industruiell geprägt, sondern recht attraktiv, touristisch aber kaum
erschlossen: Nur ab und zu sieht man Freizeitkapitäne mit ihren Motoryachten
auf der Maas. In Hastière ist die Uferstraße Uferstraße
nach Givet gesperrt, eine kleine Umleitung (déviation) in Richtung
Florennes ist allerdings ausgewiesen. Ich bin erst einmal unentschlossen
und versichere mich bei einem Ortskundigen, dass ich auf der Uferstraße
wirklich nicht weiterkomme. Währenddessen kommt ein belgischer Reiseradler
an, der auch nach Givet möchte. Er lässt sich ebenfalls erklären,
dass er die Umleitung nehmen muss und ist ganz aus dem Häuschen, als
er meine Tretmühle sieht. Höflich fragt er mich, ob er mich mitsamt
Fahrrad ablichten dürfe und ich stimme zu. Nun muss er auch noch für
mich ein Foto mit meiner Kamera schießen.
Als Alleinreisender kommt man ja sonst nicht selber auf die Fotos. Nach
kurzem aber anregendem Gespräch verabschieden wir uns herzlich und
ich erklimme die in Richtung Florennes führende Straße, die
das Maastal verlässt. Als ich schließlich in Givet eintreffe,
habe ich Belgien fast unbemerkt verlassen und befinde mich in der "Grande
Nation" im Département "Ardennes". Das bedeutet, dass ich mir im
nächsten größeren Ort mal wieder die einheimische Währung
besorgen muss. Der nächste Ort, den ich erreiche, ist Aubrives: Sehr
klein und pittoresk direkt an der Maas gelegen. Leider kann man ab hier
nicht mehr im Flusstal weiterfahren und so setze ich mich nach einem kleinen
Imbiss in Richtung Nationalstraße in Bewegung, die mich nach Haybes
führt. In diesem kleinen Ort, der malerisch an einer Flusswindung
liegt, halte ich an, um eine Bank aufzusuchen. Ein Junge sagt mir nach
kurzer erfolgloser Suche jedoch, dass erst in Fumay, dem nächsten
etwas größeren Ort, eine Bank ist.
Unverrichteter Dinge mache ich von der Kirche noch ein Foto und setze mich
dann in Richtung Fumay in Bewegung. Dort angekommen, hole ich mir endlich
französische Franc bei der Bank "Crédit Agricole", die ja ein
eigenes Rennrad-Team in die Tour de France schickt. Mit dem gerade abgehobenen
Geld suche ich sofort den nächsten "supermarché" auf, um neue
Getränke zu bunkern. Als ich wieder herauskomme, werde ich von einer
Schar neugieriger Jungen umringt. Unaufhörlich stürmen sie mit
immer neuen Fragen zum Liegerad auf mich ein. Als einer von ihnen mein
Lufthorn findet ("le klaxon") sind sie erst recht aus dem Häuschen
und jeder von ihnen will jetzt mindestens einmal hupen. Ein Junge fragt
sogar nach einer Probefahrt, aber ich mache ihm begreiflich, dass seine
Beine für das Rad zu kurz sind. Selbst wenn der Junge mit den Füßen
an die Pedale käme, wäre das Risiko zu groß, dass er sich
verletzen oder das Rad zu Schrott fahren könnte. Damit die Bande mich
endlich wegfahren lässt, muss ich nochmal laut hupen. Dann bin ich
auf dem Weg zu meinem heutigen Etappenziel Revin. Dieser Ort gleicht einer
Insel, da die Meuse (französische Bezeichnung der Maas) hier in einer
weit ausholenden Schleife fließt. So wie in Haybes muss ich zur Ortseinfahrt
eine Brücke überqueren, dann suche ich direkt das "office du
tourisme" auf, um mir eine Unterkunft vermitteln zu lassen.
Revin, "Rue du Quai"
Revin an der Meuse
Da auch in Revin nicht viele Hotels bzw. Gasthäuser mit Zimmervermietung
ansässig sind, nehme ich den Vorschlag der netten Dame an, im Hotel
"Le François Premier" zu nächtigen. Der Preis ist mit FF 200
recht günstig und es hat sogar einen Fahrradkeller. Außerdem
habe ich das Glück, ein Zimmer mit Blick auf den Fluss zu bekommen.
Abends gehe ich zu Fuß noch auf Entdeckungstour, unter anderem, um
ein Restaurant mit vegetarischer, fahrradtauglicher Kost zu finden. Ich
fotografiere ein wenig und finde schließlich ein Schnellrestaurant
(Snack Bar) in dem ich Pommes frites mit Rührei esse. Na ja, das ist
zwar nicht die optimale Basis für den am nächsten Tag anstehenden
"Ritt" aus den Ardennen heraus, schmeckt aber gut. Wieder zurück im
Hotelzimmer, schaue ich mir schon einmal die Karte an, um am nächsten
Morgen zügig aus Revin und dem Tal der Meuse heraus zu kommen. Die
Meuse fließt von Revin aus in südöstliche Richtung und
ich muss mich südwestlich, zunächst in Richtung Rocroi und schließlich
in Richtung Laon, meinem nächsten Etappenziel, halten.
Seitenanfang Vorherige Etappe Nächste Etappe